Beim ersten Mal

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne … Hermann Hesse hat recht. Die erste Begegnung mit einer Frau, die sich mir als sub unterwerfen könnte, ist mehr als nur eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Vorausgesetzt, es kribbelt. Keine sub hat eine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen, das gilt für uns Doms gleichermaßen.

Wenn dieser erste Eindruck keine Lust auf einen zweiten macht, ist es nur noch die Frage, gut wieder rauszukommen aus der Nummer. Daran ist ja niemand schuld. Sympathie ist nicht planbar. Und was immer bis zur ersten realen Begegnung gelaufen sein mag, das Bild, das ich mir von meinem Gegenüber mache, ist immer nur mein eigenes Bild. Mein Konstrukt. Mein Wunschdenken, gebe ich offen zu.

Dann kommt dieses Wesen in natura auf Dich zu, und Du spürst, Du ahnst, Du weißt letzten Endes – nein, nicht, ob es klappen wird. Aber ob Du möchtest, dass es klappt. Manchmal kann das allerdings höchst ernüchternd ausgehen.

Ich erinnere mich an eine Frau aus der Schweiz vor einigen Jahren; wir hatten gechattet und dann bald telefoniert, und ich war von dieser Stimme auf Anhieb hin und weg. Es gibt Stimmen, die wirken übers Telefon, als ob sich ein weicher, warmer Mund tief und feucht über den Penis stülpt … der langen, geilen Gespräche kurzer Sinn: Wir waren beide der Meinung, ein Treffen wäre unausweichlich.

Die Stimme hatte bald darauf ein Seminar in München, ich konnte mir eine berufliche Reise nach Innsbruck einrichten, und als ich wenige Tage später am Bahnsteig von Innsbruck Hauptbahnhof stand, hatte ich das Hotelzimmer schon gebucht und in Schrank und Nachtkästchen diverse Toys und Utensilien eingeräumt …

Der Zug kam an, viele Passagiere stiegen aus, ich blickte in zig Gesichter und auf ebenso viele Gestalten … wir waren ganz sicher gewesen, einander sofort zu erkennen. Das funktionierte allerdings erst, als ich mit ganz wenigen anderen allein am Bahnsteig übrig geblieben war. Es war keine Kunst mehr, jetzt „die Frau zu erkennen“, aber durchaus nicht im biblischen Sinn. Beiden war die spontane Enttäuschung anzusehen. Es ging nicht einmal um gutes Aussehen oder andere Äußerlichkeiten. Das war nicht die Frau, mit der ich telefoniert hatte … natürlich war sie es, aber mein Bild zu dieser Stimme war ein völlig anderes gewesen. Und ihres umgekehrt genauso.

Bei einem Kaffee im Bahnhofsrestaurant gaben wir nüchtern der Realität nach, verabschiedeten uns in Würde … wohl beide ziemlich enttäuscht. Es gelang mir mit einer Ausrede, mein Hotelzimmer noch zu kündigen und zu leeren, und auf dem Heimweg überraschte ich Sanna, eine reizende sub aus Salzburg, mit meinem Anruf. Der Zufall wollte es, dass sie für den Abend nichts vor und Lust auf ein Date hatte, und es wurde gut.

Vom ersten Mal wollte ich erzählen. Die gerade erwähnte Sanna ist da ein gutes Beispiel. Ich hatte sie noch zu Zeiten des IRC kennengelernt, des Internet Relay Chats, in dem es schon sehr früh BDSM-Chatrooms gab. Wir hatten Lust bekommen, ein Date zu riskieren, und als ich sie zum ersten Mal in Salzburg besuchte, saßen wir im Café Basar und redeten. Ich hatte einen kleinen schwarzen Halbedelstein mitgebracht, weil sie im Chat den Nickname „Onyx“ trug. Das kleine, schimmernde Ding drückte ich ihr in die Hand mit dem Auftrag, ihn mir wieder zurückzugeben, sobald sie im Gespräch erkannte, dass sie es riskieren wollte, sich mir auszuliefern.

Etwa fünf Minuten später, wir hatten sehr offen miteinander geredet, legte sie sich den Onyx auf die Zungenspitze und bot mir ihren leicht geöffneten Mund an, mitsamt Stein. Alles weitere vollzog sich in einem reizenden kleinen Hotel in einem Dorf außerhalb der Stadt, und es entwickelte sich eine lose, aber sehr reizvolle Spielbeziehung.

rohrstock_bambusOder Sanda, zum Beispiel, ohne r. Auch mit ihr hatte ich telefoniert, ihre Ehe lag in den letzten Zügen, auch weil ihr Mann ihrer submissiven Neigung nicht annähernd entgegenkam, und sie war über zahlreiche Onlinekontakte drauf und dran, sich neu zu orientieren. Unser Einstiegspunkt war ein Forums-Posting, in dem ein User Tipps für den Umgang mit Rohrstöcken erbat – nein, nicht zu Züchtigungstechniken, sondern zur richtigen Aufbewahrung, damit sie schön elastisch blieben. Ich hatte dazu ein paar Klugscheißereien abgesondert und mir prompt eine PN von Sanda eingehandelt: „Du scheinst dich da gut auszukennen …“

Ein Wort ergab das andere, und da zwischen Graz und Schwaben wieder einmal das Telefon die naheliegendste Möglichkeit war, einander ein wenig persönlicher kennenzulernen, hatten wir bald eine ziemlich geile Telsex-Beziehung.

Sie arbeitete als Erzieherin in einem Jugendheim, das perfekte Ambiente, um nachts ausführliche Gespräche zu genießen. Das stimmliche Potenzial der Lady aus der Schweiz hatte sie nicht ganz, aber sie reagierte auf meine verbale Dominanz und meine instinktiven Treffer im Vokabular saftiger Erniedrigung äußerst kehlig und folgsam, und schon im zweiten Telefonat stachelte ich sie bzw. ihre Finger zu einem Orgasmus an, der nach meinem Dafürhalten das halbe Heim aufgeweckt haben müsste.

Sie stand auf rüde Beschimpfung und auf Kraftausdrücke, das flutschte bei ihr wie auf Knopfdruck. Mir gefiel das Spiel, ich konnte sie an der Muschel … sagen wir besser, am Hörer wunderbar fernsteuern, und was die Absicherung der inneren Bilder anlangte, so hatte ich inzwischen auch Fotos von ihr gesehen … ein Gustostückerl.

Dann beging sie den Fehler, einen vereinbarten Telefontermin zu verschlafen. Zwei Stunden über die Zeit, dann meldete sie sich reumütig und ehrlich. Ich gab mich erbarmungslos. „Das kann nicht ohne Strafe bleiben!“ Und da der Rohrstock unser Einstand gewesen war, verfügte ich für jede verschlafene Stunde 12 Hiebe, zwei Dutzend also insgesamt. Das stand nun im Raum, das wollte konkretisiert werden, und schließlich verabredeten wir uns auf ein Wochenende in Salzburg.

Wieder einmal Salzburg … aber ich kam ihr immerhin entgegen und traf sie im Münchner Hauptbahnhof. Sanda sah so gut aus wie auf den Pics, die ich von ihr hatte, ich trat auf sie zu, überrumpelte sie mit einem langen, sinnlichen Zungenkuss, dann erst grinste ich ein „Hallo! Schön, dich zu sehen!“ Der Kuss war nur angemessen, schließlich hatte ich sie zu diesem Zeitpunkt ja schon einige Male heftig gefickt. Fernmündlich.

Auf dem Weg nach Salzburg hielt ich am Chiemsee an, um zu Mittag zu essen. Anschließend, bei einem kleinen Spaziergang, gab sie sich etwas widerspenstig. Es ginge doch alles ein wenig schnell, meinte sie. Gut, dass wir bei unseren telefonischen Nummern auch hartes Slapping, Ohrfeigen inklusive, einbezogen hatten. Als sie nun meinem Kuss ausweichen wollte, knallte ich ihr eine. Rechtslinks. Schlagartig wurde Sanda weich und schmiegsam, für den gesamten Rest des Wochenendes. Die angekündigte Strafe, vor der sie sich wirklich fürchtete, handelte sie auf 18 Hiebe herunter, und die brachten sie dann auch tatsächlich an die Grenze.

Vielleicht war es auch zu viel. Ein paar Tage später gestand sie kleinlaut, dass sie sich von einem anderen Herrn in Besitz nehmen hatte lassen. Einem aus der Nachbarstadt. Von einem, den sie an der Nase oder an welchem Körperteil auch immer herumführen konnte und den sie in ein paar Chats, die ich noch mitbekam, als „Herrchen“ titulierte. Genau das hätte ich noch gebraucht zu meinem Glück … wie auch immer, ich habe die paar Tage und durchtelefonierten Nächte mit ihr als reizvolles Abenteuer in bester Erinnerung.

Das erste Mal … ich fürchte, ich habe mich wieder mal verplaudert. Und daran wird sich auch nichts ändern …

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